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Die Kaiserlichen Gräber der Ming-Dynastie
2004/05/13
Im chinesischen Denken ist die „13“ keine Unglückszahl –- mit Ausnahme der kaiserlichen Familie der Ming-Dynastie (1368-1644). Das dreizehnte Familiengrab bezeichnet nicht nur die Ruhestätte des Kaisers Chongzhen selbst, sondern steht ebenso für die gesamte Ming-Dynastie. 16 Kaiser und 13 Gräber In der Ming-Dynastie herrschten 16 Kaiser (mit Ausnahme der letzten drei, die nach dem Niedergang der Dynastie im Exil lebten) über einen Zeitraum von 277 Jahren. 13 von ihnen sind in Beijing in den sogenannten 13-Ming-Gräbern bestattet worden. Zhu Yuanzhang, Gründer der Ming-Dynastie, machte Nanjing zur Hauptstadt des Reiches und starb auch dort. Daher befindet sich sein Grab, immer noch gut erhalten, in Nanjing. Der zweite Kaiser, dessen Grabstätte sich nicht unter den 13 Gräbern befindet, war Zhus Enkel, Kaiser Huidi. Er raubte zahlreichen kaiserlichen Verwandten ihre Ländereien und Privilegien, was ihm natürlich Feinde einbrachte und schließlich zur Absetzung durch seinen vierten Onkel Zhu Di im Jahr 1403 führte. Sein Schicksal verlor sich im Dunkel. Einige sagen, er sei im Kampf gefallen, andere glauben, er sei entkommen und Mönch geworden. Und wieder andere behaupten, dass er ins Ausland geflohen sei. Der dritte Ming-Kaiser, dessen Überreste sich nicht unter den 13 Gräbern befinden, ist Daizong. Er bestieg den Thron, nachdem sein kaiserlicher Bruder Yingzong 1449 in Nordchina gefangengenommen wurde. Im Jahre 1457 wurde Kaiser Daizong Opfer einer Intrige und unter Hausarrest gestellt. Yingzongs Regentschaft wurde wiederhergestellt und er ließ sofort den Bau von Daizongs Ruhestätte innerhalb der 13 Gräber einstellen. Daizong wurde später beim Berg Jin in den westlichen Vororten Beijings beigesetzt. Im Jahr 1465 jedoch, während der Regierungszeit von Kaiser Xianzong, wurde Daizongs kaiserlicher Titel wiederhergestellt und sein Grab renoviert und erweitert. Das Jingtai-Mausoleum, so genannt nach der Regierungsdevise Daizongs, ist das einzige kaiserliche Grab in Beijing, das außerhalb der kaiserlichen Grabanlage liegt. Entstehung und Anordnung Zhu Di, der schon mehrere Jahre in Beijing lebte, stürzte im Jahr 1403 seinen kaiserlichen Neffen und schwang sich zum Kaiser auf. Vier Jahre später begann er Beijing umzubauen und zog schließlich 1421 von Nanjing in die neue Hauptstadt Beijing. Als die Kaiserin 1407 starb, sandte er Landvermesser nach Beijing, um eine angemessene Ruhestätte auszuwählen – mit dem langfristigen Ziel eines Umzugs in den Norden. Nach einer zweijährigen Erkundungsphase und Zhu Dis persönlicher Inspektion und Zustimmung wurde der heutige Platz festgelegt. Das Gebiet ist an drei Seiten von Bergen umgeben, reich an fruchtbarer Erde und Wasservorkommen sowie vorteilhaft in militärisch-strategischer Hinsicht. Zhu Di ordnete sofort an, dass Raum für weitere Grabstätten in einem Gesamtumfang von 40 km zur Verfügung zu stellen seien. Von 1409 bis 1427 baute man das Changling-Mausoleum am Fuß des Berges Tianshou, und in den folgenden 200 Jahren erfolgte die Errichtung der kaiserlichen Gräber an genau dieser Stelle. Die Grabanlage umgibt eine zinnoberrote Mauer und das gleichfalls zinnoberrote Eingangstor öffnet sich nach Süden hin. Ein Kilometer südlich befindet sich ein steinerner Torbogen, 12 m hoch, getragen von sechs Säulen, von dem fünf Fußwege abzweigen. Das erste Gebäude nördlich des Eingangstors ist ein Pavillon, der eine neun Meter hohe Steinstele beherbergt. Weiter nördlich verläuft ein 800 m langer Heiliger Weg, flankiert von 24 großen Steintieren und 12 steinernen Menschenfiguren. Der Weg führt zu verschiedenen Gräbern. Das Gebiet der 13-Ming-Gräber umfasst 13 einzelne Gräber. Jedes Grab liegt am Fuß eines Berges und weist nur wenige Unterschiede in der Grundkonzeption auf. Allen gemeinsam ist die dunkelrote Mauer, die jedes einzelne umgibt. Die Gedenkhalle, gleich nach dem Eingang zu jedem Grab, dient der Verehrung. Im hinteren Teil befindet sich ein Erdhügel, der das Grab selbst beinhaltet. Dazwischen erhebt sich der Erinnerungsturm an die Verstorbenen. Vor diesem sind eine steinerne Räucherpfanne, zwei steinerne Vasen und zwei Kerzenhalter aus Stein, die Fünf Heiligen Utensilien, angeordnet. Das größte und das kleinste Grab Das Changling-Mausoleum ist das größte und am besten erhaltene von allen Ming-Gräbern. Es liegt im vorderen Teil der Begräbnisanlage. Die 1956 qm große Lingsi-Halle ist vollständig aus wertvollem Nanmu-Holz erstellt. Innen gibt es 32 Nanmu-Säulen, jede über einen Meter im Durchmesser, und die zentrale Säule hat einen solchen Umfang, dass man die ausgestreckten Arme von drei Menschen braucht, um sie vollständig zu umfassen. Sogar noch heute durchströmt das Mausoleum der Wohlgeruch des edlen Nanmu-Holzes. Zhu Di erwies sich als erfolgreicher Herrscher und schuf eine Periode großen Wohlstandes. Sein Erfolg spiegelt sich nicht nur im Bau seines Grabes, sondern auch in der Anlage der Verbotenen Stadt, die während seiner Regierungszeit entstand. Auf sein Geheiß unternahm man zwischen 1405 und 1433 sieben Entdeckungsreisen in asiatischen Gewässern bis nach Afrika. Das Siling-Mausoleum, das zuletzt entstandene und kleinste der Gräber, ist jenes von Kaiser Chongzhen, der es mit seiner Kaiserin und seiner Konkubine Tian teilt. Der Grabhügel ist lediglich 1,30 m hoch, die festgelegte Höhe für einen Bürgerlichen. Als 1644 eine Bauernarmee unter Führung von Li Zicheng Beijing einnahm, befahl Chongzhen der Kaiserin, Selbstmord zu begehen, bevor er sich selbst an einem Baum auf dem Kohlenhügel (heute: Jingshan-Park), unmittelbar nördlich des Kaiserpalastes, erhängte. Seine letzten Worte, auf seine Kleidung geschrieben, waren: „Ich schäme mich, meinen Vorfahren gegenüberzutreten. Ich will meine Krone ablegen, mein Gesicht mit meinem herabhängenden Haar verhüllen und diesen Banditen eher erlauben mit meinem Körper so zu verfahren, wie es ihnen beliebt als meinem Volk Schaden zuzufügen“. Li Zicheng verhielt sich jedoch nicht so grausam wie befürchtet, im Gegenteil: Er ordnete für den verstorbenen Kaiser ein ehrenvolles Begräbnis auf dem Gelände der 13 Ming-Gräber an. Die offiziell Verantwortlichen hatten jedoch keine finanziellen Mittel für ein neues Grab. Was tun? Li ließ das Grab der Konkubine Tian öffnen, den Leichnam neben seine Ehefrau legen und es mit Erde und Kalk versiegeln. Das Grab der Konkubine wurde später in Siling-Mausoleum umbenannt. Nachdem die Mandschuren Beijing erobert hatten, errichtete der kaiserliche Hof der Qing eine Erinnerungshalle und einen Turm für den letzten Ming-Kaiser. Obwohl die Ming-Dynastie unter der Herrschaft von Chongzhen endete, dachten weder die Rebellen noch die Mandschuren, die die Gründung der Qing-Dynastie erzwungen hatten, schlecht oder respektlos von ihm. Er wurde im Gegenteil als fähiger und aufrechter Kaiser geachtet, ein Sündenbock für die Verfehlungen seiner beiden Vorgänger. Der eine war Kaiser Shenzong, der 48 Jahre regierte, aber in den letzten beiden Jahrzehnten eine Einsiedlerrolle spielte und seine Amtspflichten vernachlässigte. Sein Nachfolger war Kaiser Xizong, der kein Interesse an staatlichen Angelegenheiten hatte und sich lieber mit dem Zimmermannshandwerk beschäftigte. Er bekam den Beinamen „Kaiser Zimmermann“ und übergab im Übrigen die Staatsgeschäfte in die unheilvollen Hände der Säuglingsamme Ke und des Eunuchen Wei Zhongxian. Als Chongzhen den Thron bestieg, sah er sich sowohl inneren Schwierigkeiten als auch Grenzstreitigkeiten ausgesetzt. Er tat jedoch sein Möglichstes zur Erhaltung der Dynastie und in den ersten drei Monaten seiner Regentschaft ließ er Hunderte von Kes und Weis Anhänger hinrichten oder ausschalten. Er rehabilitierte ehemalige Beamte, so den bedeutenden Wissenschaftler Xu Guangqi, der als Erster in China westliche Technik und Wissenschaft einführte. Chongzhen regierte 17 Jahre lang energisch und konsequent. Doch seine Regierungszeit stand unter einem unglücklichen Stern. Als die Rebellen schließlich anrückten, so zog er es nicht vor, zu fliehen oder zu kapitulieren, sondern er setzte seinem Leben in einem Akt der Selbsterniedrigung und Reue selbst ein Ende – ein sehr seltener Akt in der damaligen Zeit. Tailing- und Kangling-Mausoleum Einige der 13 Ming-Gräber, so das Changling- und das Dingling-Mausoleum, sind ausgebessert worden und beliebte Touristenziele. Das Changling-Mausoleum lockt Touristen an, weil es das größte und besterhaltene der Gräber ist, während das Dingling-Mausoleum einen faszinierenden Blick auf alte, über- und unterirdische Relikte bietet. Das Tailing- und das Kangling-Mausoleum, im nördlichsten Teil der Anlage gelegen, werden dagegen nur selten besucht. Wegen mangelnder Pflege zerfielen die Gebäude und Mauern zu Trümmern; umrahmt von hohen grünen Kiefern, die diesen Zerfall durch die Zeiten begleitet haben. Nur die goldenen Drachen auf den gelb glasierten Kacheln weisen auf den besonderen Status der Begrabenen hin. Die Farbe „gelb“ und die Verwendung von Drachenmotiven waren ausschließlich der kaiserlichen Familie vorbehalten. Die Hallenfundamente sind in wild wachsendem Gras versteckt und Teile der behauenen Marmorbalustrade liegen verstreut umher. Obwohl sich der einst weiße Marmor dunkelgrau verfärbte, sind seine exquisiten Reliefarbeiten und die jadegleiche Struktur noch deutlich wahrnehmbar. Die Ziegelsteine des Grabes, an die strenge Qualitätsanforderungen gestellt wurden und aus verschiedenen Orten stammen, sind gewaltig. Jeder Stein wiegt mehr als 20 kg. Sie mussten eine feine und doch solide Struktur aufweisen, einen vollen Klang erzeugen, wenn man auf sie klopfte, und Datum sowie Ort ihrer Herstellung tragen. Die Steine des Kangling-Mausoleums zeigen diese Informationen klar und deutlich, so z.B. „ Hergestellt im Kreis Zhangqiu im 7. Monat des 17. Jahres der Regentschaft Chenghua (1481)“ oder „Hergestellt in der Präfektur Linqing im 10. Jahr der Regentschaft Zhengde (1515)“. Sowohl Erinnerungsturm als auch Schatzstadt der beiden Gräber sind noch erhalten, obgleich ein paar Kacheln fehlen. Die Fünf Heiligen Utensilien, im Laufe der Zeit gelblich geworden, sind auf einem Steintisch vor dem Erinnerungsturm angeordnet. Diese beiden Gräber gehören zu den Kaisern Xiaozong und Wuzong, Vater und Sohn. Xiaogong war der neunte Kaiser der Ming-Dynastie und ein gütiger, hart arbeitender und fähiger Herrscher. Er schuf eine Periode von Frieden und Wohlstand. Sein Erfolg als Herrscher mag in seiner beklagenswerten Kindheit begründet liegen. Sein Vater Xianzong war ein mittelmäßiger Kaiser, der seine ganze Aufmerksamkeit der niederträchtigen und boshaften Konkubine Wan widmete, die 19 Jahre älter war als er. Nachdem diese in jungen Jahren einen Sohn verloren hatte, gebar sie keine Kinder mehr. Um ihre privilegierte Stellung am Kaiserhof zu bewahren, platzierte sie ihre Spione an verschiedenen Ecken des Inneren Hofes. Wenn eine andere Konkubine schwanger war, so zwang man sie zur Abtreibung. Als Xiaozongs Mutter mit ihm schwanger war, veranlasste man auch sie, eine Droge zu nehmen, die die Schwangerschaft unterbrechen sollte. Aber Xiaozong überlebte auf wunderbare Weise diesen Anschlag. Eine Zofe, von Konkubine Wan zur Überwachung von Xiaozongs Mutter eingesetzt, hatte Mitleid mit ihr und belog ihre Herrin, indem sie ihr mitteilte, dass Xiaozangs Mutter gar nicht schwanger sei, sondern nur an einer seltsamen Krankheit leide. Konkubine Wan, noch immer misstrauisch, stellte die werdende Mutter unter Hausarrest. Xiaozong erblickte kurz danach das Licht der Welt und überlebte mit Hilfe der entthronten Kaiserin und Zhang Min, einem Eunuchen. Eines Tages, sechs Jahre später, als Zhan Min dem Kaiser beim Kämmen seiner weißen Haare behilflich war, bedauerte dieser, keinen Sohn zu haben. Zhang Min nahm diese Gelegenheit beim Schopf und erzählte ihm von seinem Sohn. Der Kaiser war überglücklich und ordnete unverzüglich an, seinen Sohn an den Hof bringen zu lassen, wo Xiaozong gekrönt und unter die Obhut der Kaiserinwitwe gestellt wurde. Im Jahre 1488 wurde Xiaozong entthront. Er wusste, dass er ohne die Liebe und den Schutz rechtschaffener Leute niemals überleben und Kaiser hätte werden können. Diesem Bewusstsein ist unzweifelhaft seine exzellente Herrschaft zuzuschreiben. Xiaozong war jedoch kein erfolgreicher Vater. Er ruinierte das Leben seines einzigen Sohnes Wuzong. Wuzong, intelligent, aber faul, verschrieb sich einem genusssüchtigen Lebensstils. Er wurde mit 15 Jahren Kaiser, verwandelte den Kaiserhof zu seiner persönlichen Spielwiese und wenn er der Spiele im Palast müde war, zog es ihn zu neuen Ablenkungen nach draußen. Sechszehn Jahre später (1522) zog er sich beim Fischen nach einem Sturz in einen Fluss eine Verletzung zu, an der er kurze Zeit später starb, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. Einer seiner Cousins folgte ihm auf dem Thron als Kaiser Jiajing. An die Macht gekommen, übertrug Jiajing seinem verstorbenen Vater den Titel „Kaiser Ruizong“, wandelte dessen Grab in der Provinz Hubei in ein kaiserliches Grab um und gab ihm den Namen Xianling-Mausoleum. Dies ist das größte einzelne Ming-Grab, das sowohl eine alte als auch eine neue Grabkammer enthält. Kaiser Jiajing wurde für seine übertriebenen Geldausgaben und seinen massiven Arbeitskräfteeinsatz bei der Renovierung dieses Grabes kritisiert, aber er wäre heute hoch erfreut, wenn er wüsste, dass das Xianling- Mausoleum im Dezember 2000 auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt wurde.
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