| Der bewaffnete Aufruhr von 1959 |
| 2004/05/13 |
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Vor der friedlichen Befreiung herrschte in Tibet
eine feudale Leibeigenschaft unter der Diktatur der
Oberschicht des geistlichen und weltlichen Adels. Die Massen
der Leibeigenen sehnten sich inständig danach, das Joch
der Leibeigenschaft abzuschütteln. Nach der friedlichen
Befreiung waren auch viele aufgeklärte
Persönlichkeiten der Oberschicht zu der Einsicht
gekommen, daß die tibetische Nationalität
überhaupt nicht gedeihen und aufblühen könne,
ohne das alte System zu ändern. Unter
Berücksichtigung der historischen Besonderheiten und
der gegebenen Realitäten in Tibet verhielt sich die
Zentrale Volksregierung gegenüber der Reform der
tibetischen Gesellschaftsordnung umsichtig. Im
"17-Punkte-Abkommen" wurde festgelegt, daß
die Zentrale Volksregierung keine Reform in Tibet erzwingt
und es der tibetischen Lokalregierung
überläßt, auf eigene Initiative Reformen
durchzuführen. Im Januar 1957, als sich der damalige
Ministerpräsident Zhou Enlai in Indien aufhielt,
übergab er dem Dalai Lama und dem Panchen Erdini sowie
den leitenden Beamten der tibetischen Lokalregierung, die
die beiden begleiteten, einen Brief vom Vorsitzender Mao
Zedong, in dem sie über den Beschluß der
Zentralregierung informiert wurden, daß während
des 2. Planjahrfünfts (1958-1962) keine demokratische
Reform in Tibet durchgeführt werden solle. Ob man in
sechs Jahren dann Reformen durchführen würde oder
nicht, müßte man entsprechend den gegebenen
Verhältnissen und Bedingungen in Tibet
bestimmen. Einige Leute der herrschenden Clique in der Oberschicht Tibets waren aber gegen Reformen schlechthin und versuchten, die Leibeigenschaft für immer aufrechtzuerhalten und ihre Interessen zu bewahren. Sie handelten vorsätzlich gegen das "17-Punkte-Abkommen", um es zu hintertreiben. Sie betrieben in verstärktem Maße Spalteraktivitäten. Zwischen März und April 1952 unterstützten Lukangwa und Losang Zhaxi, beides hohe Beamte der tibetischen Lokalregierung, insgeheim die illegale Organisation "Volksversammlung" dabei, Unruhen in Lhasa zu schüren, das "17- Punkte-Abkommen" zu bekämpfen und den Abzug der Volksbefreiungsarmee aus Tibet zu fordern. 1955 planten Surkang Wangqen Geleg und andere Galoins der tibetischen Lokalregierung in dem von Tibetern bewohnten Gebiet der ehemaligen Provinz Xikang im geheimen, eine bewaffnete Rebellion anzuzetteln. 1956 brach die Rebellion in diesem Gebiet aus. Die Rebellen umzingelten die lokalen Machtorgane und griffen sie an, wobei Hunderte Mitarbeiter der Staatsorgane und griffen sie an, wobei Hunderte Mitarbeiter der Staatsorgane und unschuldige Menschen getötet wurden. Im Mai 1957 wurde die aufrührerische Organisation "Vier Flüsse und Sechs Hügel" mit Unterstützung von Galoins, Neuxar Tubdain Tarba und Xainga Gyurme Doje, gegründet. Etwas später wurden rebellische Streitkräfte, die sogenannte "Armee zur Verteidigung und Religion", gebildet. Sie erhoben die Forderung nach "Unabhängigkeit Tibets" und waren gegen Reformen. Die rebellischen Aktivitäten wurden immer heftiger. Die bewaffneten Rebellen stifteten in den Gebieten Qamdo, Dengqen, Heihe und Shannan Unruhen, ermordeten Regierungsfunktionäre, zerstörten Verkehrseinrichtungen, griffen die von der Zentralregierung stationierten Organe und Militärverbände an, plünderten überall Hab und Gut, töteten Einwohner und vergewaltigten Frauen. Dongda Bazha, ein Händler im Kreis Nedong, und seine Frau wurden festgenommen, weil er sich weigerte, an dem Aufruhr teilzunehmen. Dongda Bazha wurde aufgehängt und geprügelt und dann getötet, seine Frau wurde vergewaltigt. Die damalige tibetische Lokalregierung gab auch zu, daß viele Opfer bei der Regierung Klage gegen diese Rebellen erhoben hatten. Allein im August 1958 gab es mehr als 70 solche Fälle. Im Geist der nationalen Einheit verpflichtete die Zentrale Volksregierung die tibetische Lokalregierung wiederholt, die Aufrührer zu bestrafen und die gesellschaftliche Ordnung aufrechtzuerhalten, und versicherte den Galoins der tibetische Lokalregierung:" Die Zentralregierung wird ihren Beschluß über die Aufschiebung der Reformen in Tibet nicht ändern und an der Politik der friedlichen Reform festhalten, wenn in Zukunft die Reform in Tibet durchgeführt wird." Aber die reaktionäre Clique der Oberschicht in Tibet mißverstand den guten Willen und die Geduld der Zentralregierung als Schwäche und Nachgiebigkeit. Sie verkündete:" Seit neun Jahren wagen es die Han-Chinesen nicht, unser schönstes und heiligstes System anzutasten. Wenn wir sie angreifen, können sie nur den Angriff abwehren, aber nicht zurückschlagen. Wenn wir eine große Anzahl von Streitkräften aus anderen Orten in Lhasa zusammenziehen und die Han-Leute angreifen, werden sie sicher davonlaufen. Wenn sie nicht davonlaufen, werden wir den Buddha Dalai Lama nach Shannan holen, dort unsere Kräfte sammeln, einen Gegenangriff entfesseln und Lhasa zurückerobern. Falls wir mit unserem Plan schließlich scheitern, werden wir nach Indien fliehen." Die bewaffnete Rebellion in Tibet wurde von Anfang an von ausländischen chinafeindlichen Kräften unterstützt. Aus dem Buch " USA, Tibet und China" des Amerikaners Norman C. Hall kann man ersehen, daß die amerikanische Central Intelligence Agency ( CIA ) im Jahre 1957 sechs junge Leute aus den im Ausland lebenden Tibetern auswählte, nach Guam schickte und ihnen beibrachte, wie man Landkarten liest, Nachrichten empfängt bzw. sendet, schießt und mit dem Fallschirm abspringt. Später trainierten die USA im Hale-Lager im Staat Colorado 170 " Kamba-Partisanen", die dann in Gruppen mit dem Fallschirm in Tibet abgesetzt wurden oder sich in Tibet einschlichen, um " wirksame Widerstandsbewegungen zu bilden" und " die Okkupation der Chinesen zu bekämpfen". Im Artikel "Machenschaften der amerikanischen CIA gegenüber Tibet", den die Hong Konger Zeitschrift "Far Eastern Economic Review" am 5. September 1975 veröffentlichte, wurde geschildert: Im Mai 1958 begaben sich zwei als erste von den USA ausgebildete Geheimagenten mit Funkgeräten in das Hauptquartier von Anzhugcang Goinbo Zhaxi, dem Anführer der Rebellion, in Shannan und stellten Verbindungen mit der amerikanischen CIA her. Kurz danach warfen die USA im Gebiet Chiqu vom Flugzeug Waffen und Munition für die Aufrührer ab, darunter 20 leichte Machinengewehre, zwei Mörser, 100 Gewehre, 600 Handgranaten, 600 Kanonengeschosse und 40000 Patronen. Zu dieser Zeit transportierten die USA ferner auf dem Landweg heimlich große Mengen von Waffen und Munition für die Aufrührer, die sich in Shannan verschanzt hatten. Weil die Feudalherren, die hartnäckig an der Leibeigenschaft festhielten, mit reaktionären Kräften aus dem Ausland kollaborierten, uferten die rebellischen Aktivitäten rasch aus. Am 10. März 1959 brach in Lhasa ein allseitiger bewaffneter Aufruhr aus, der sorgfältig inszeniert war. Am 7. Februar hatte der Dalai Lama aus eigener Initiative gegenüber Deng Shaodong, dem Vize-Oberbefehlshaber des Militärbezirks Tibet, und anderen den Wunsch geäußert: " Wie zu hören ist, sind die neuesten Darbietungen des Kulturensembles des Militärbezirks Tibet sehr gut, nachdem es sich im Landesinneren weitergebildet hat. Ich möchte sie mir ansehen. Ich bitte Sie, ein Arrangement dafür zu machen." Deng Shaodong und andere erklärten sofort ihr Einverständnis und baten den Dalai Lama, Termin und Ort für die Aufführung festzulegen. Sie teilten ferner Surkang und anderen Galoins der tibetischen Lokalregierung sowie dem Adjutanten des Dalai Lama, Paglha Tubdain Weidain, den Wunsch des Dalai Lama mit. Am 8. März legte der Dalai Lama fest, sich um 3 Uhr nachmittags des 10. März zur Aula des Militärbezirks Tibet zu der Aufführung zu begeben. Der Militärbezirk traf sorgfältige Vorbereitungen, um den Dalai Lama zu empfangen. Am Abend des 9. März wiegelte Miboin, Bürgermeister der Stadt Lhasa, die Stadtbewohner in Lhasa auf: Morgen werde sich der Dalai Lama zum Bankett und Theaterbesuch in den Militärbezirk begeben, und die Han-Leute hätten bereits ein Flugzeug bereitgestellt, um ihn nach Beijing zu entführen. Alle Familien sollten ihre Leute zur Residenz des Dalai Lama in Norbulingka schicken und Bittschriften einreichen, um ihn zum Verzicht auf den Theaterbesuch im Militärbezirk zu bewegen. Am nächsten Morgen zwangen die Aufrührer mehr als 2000 Menschen, nach Norbulingka zu gehen, und verbreiteten das Gerücht, daß "der Militärbezirk den Dalai Lama vergiften will". Sie riefen gleichzeitig die Losungen wie " Unabhängigkeit Tibets" und "Weg mit den Han-Leuten". Sie verwunderten Sampo Cewang Rinzin, den ehemaligen Galoin der tibetischen Lokalregierung und Vize-Oberbefehlshaber des Militärbezirks Tibet, erschlugen die patriotische und fortschrittliche Persönlichkeit Kainqoin Pagbalha Ssoinam Gyamco, Mitglied des Vorbereitungskomitees für das Automome Gebiet Tibet, mit Steinen, banden seine Leiche an den Schwanz eines Pferdes und schleiften sie zum Stadtzentrum, um sie zu Schau zu stellen. Danach hielten die Anführer des Aufruhrs eine sogenannte "Volksdelegiertenversammlung" und "Volksversammlung des unabhängigen Staats Tibet" ab, beeilten sich, die aufrührerischen Streitkräfte intensiv zu organisieren und aufzustocken. Sie zerrissen in aller Öffentlichkeit des "17-Punkte-Abkommen", verkündeten die " Unabhängigkeit Tibets" und entfesselten einen allseitigen landesverräterischen bewaffneten Aufruhr. Obwohl Norbulingka unter Kontrolle der Aufrührer geriet und die Kontaktaufnahme mit dem Dalai Lama sehr schwierig war, suchte der Vertreter der Vertreter der Zentralregierung Tan Guansan nach Wegen, am 10.,11. und 15. März durch patriotische Persönlichkeiten dem Dalai Lama drei Briefe zu schicken. In den Briefen drückte Tan Guansan Verständnis und Sympathie für die Lage des Dalai Lama und die Sorge um seine Sicherheit aus. Er wies auf die tollwütigen militärischen Provokationen der Aufführer hin und forderte die tibetische Lokalregierung auf, diesen sofort Einhalt zu gebieten. Am 11., 12. und 16. März schrieb der Dalai Lama an Tan Guansan drei Antwortbriefe, in denen er schrieb: " Reaktionäre schlechte Elemente betreiben unter dem Vorwand, mich zu schützen, Aktivitäten, die mich gefährden. Ich suche nach Wegen, um die Zwischenfälle beizulegen" Und:" Die gesetzwidrige Handlungsweise der reaktionären Clique bereite mir endlosen Kummer… Unter dem Vorstand, meine Sicherheit zu verteidigen, schaffen sie schwerwiegende Zwischenfälle und säen Zwietracht zwischen der Zentral- und der Lokalregierung. Ich tue mein Bestes für die Lösung der Probleme." Im Brief vom 16. März drückte er ferner aus, die Beamten der Lokalregierung einer " Erziehung" unterzogen und sie "streng ermahnt zu haben". Er sprach sich dafür aus, sich in einigen Tagen zum Militärbezirk begeben zu wollen. Die Originale der drei vom Dalai Lama persönlich geschrieben Briefe sind von Xinhua-Korrespondenten photographiert und veröffentlicht worden und sind heute noch gut erhalten. In der Nacht des 17. März verschleppten die Anführer der rebellischen Galoins wie Surkang, Neuxar und Xaisur den Dalai Lama und flohen von Lhasa zu dem Stützpunkt der aufrührerischen Streitkräfte in Shannan. Nach dem Scheitern des Aufruhrs flohen sie nach Indien. Nachdem der Dalai Lama Lhasa verlassen hatte, trommelten die Anführer 7000 Leute zusammen und entfesselten am frühen Morgen des 20. März einen allseitigen Angriff auf Partei-, Regierungs- und Militärorgane. Als die Situation untragbar geworden und Nachgiebigkeit nicht mehr möglich war, unternahm die Volksbefreiungsarmee um 10 Uhr desselben Tages befehlsgemäß einen Gegenangriff. Unterstützt von patriotischen Mönchen und Einwohnern schlug sie nach zwei Tagen die Rebellion in Lhasa nieder. Danach besiegte sie auch die Aufführer im Gebiet Shannan, wo sie sich längere Zeit verschanzt hatten. Die in andere Gebiete geflohenen rebellischen Streitkräfte zersetzten sich im Laufe der Zeit. Bei der Niederwerfung des Aufruhrs hielt die Volksbefreiungsarmee strikt Disziplin und wurde von den Gläubigen und Nichtgläubigen herzlich unterstützt. Sie arbeiteten aus eigner Initiative mit der Volksbefreiungsarmee zusammen, um den Aufstand niederzuwerfen. An verschiedenen Orten organisierten sich die Massen zu Selbstverteidigungsorganisationen wie Selbstschutzgarden, Verbänden der Gemeinsamen Selbstverteidigung und Garden zum Schutz der Herden usw. Für die Volksbefreiungsarmee legten sie Wege an, transportierten Güter, schickten Briefe, dienten als Wegführer, boten Tee und Wasser an, standen Wache, retteten und behandelten Verwundete, so daß die Aufrührer in völlige Isolation gerieten. |